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Keramikfliese
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Keramikfliesen sind keramische Platten, die als Wandverkleidung sowie als BelĂ€ge fĂŒr den Boden, ArbeitsflĂ€chen, Fenstersimse und andere FlĂ€chen im Innen- wie Außenbereich verwendet werden. Der Begriff „Fliese“ wird auch fĂŒr Naturstein, Glas, Teppich usw. genutzt, um Bauteile Ă€hnlicher Form und Verwendung zu klassifizieren. In der Schweiz spricht man von „PlĂ€ttli“, wĂ€hrend in der Schriftsprache meistens „Platten“ oder „PlĂ€ttchen“ verwendet wird. Die Bezeichnung Kachel ist eher im SĂŒddeutschen und in Österreich verbreitet (siehe auch: Ofenkachel). Die kunstgeschichtliche Forschung und Beschreibung verwendet Fliesecite-ref-1[1] – aber auch in Nachfolge von gr. kakkabos und lat. cacculus, caccalus bzw. caccabuscite-ref-2[2] z. B. Delfter Kacheltisch.cite-ref-3[3]

Contents

‱ Etymologie
‱ Geschichte
‱ Ästhetik
‱ Formgebung
‱ Farben
‱ Steingut
‱ Steinzeug
‱ Terrakotta
‱ Formate
‱ Einbau
‱ Reinigung
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Etymologie

Die Keramik stammt ab vom griechischen Wort keramos fĂŒr „Ton“. Tonminerale entstehen aus den ĂŒberwiegend feinstkörnigen Verwitterungsprodukten von Feldspaten, die mit unterschiedlichsten Beimengungen abgelagert wurden. Die Zusammensetzung des Tons, die Aufbereitung und der Brand bestimmen die Farbe des unglasierten Scherbens.

Das Wort Kachel stammt ab vom mittelhochdeutschen kachele („irdener Topf“). Quelle des Wortes ist der vulgĂ€rlateinische caccabus (‚Tiegel‘, ‚Pfanne‘) als Lehnwort aus dem altgriechischen kĂĄkkabos (‚dreibeiniger Kessel‘) mit der althochdeutschen Form chachala.cite-ref-4[4]

Das Wort Fliese (fĂŒr „kleine dĂŒnne Steinplatte“) wurde Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Niederdeutschen ĂŒbernommen. Das mittelniederdeutsche Wort vlÄ«se fĂŒr „Steinplatte“cite-ref-5[5] ist verwandt mit dem altislĂ€ndischen Wort flis fĂŒr den Splitter und hat seinen Ursprung in der indogermanischen Wurzel [s]p[h]el (‚platzen‘, ‚bersten‘, ‚splittern‘, ‚spalten‘) mit dem altgriechischen Wort sphalĂĄssein (‚spalten‘, ‚stechen‘) und dem altindischen Wort phĂĄlati (‚birst‘, ‚springt entzwei‘).cite-ref-6[6]

Geschichte

Die ersten GegenstĂ€nde aus gebranntem Ton stellten Menschen vor ca. 30.000 Jahren her, wĂ€hrend die ersten keramischen GefĂ€ĂŸe vor ca. 11.000 Jahren im Nildelta entstanden sind. Die ersten europĂ€ischen Keramikindustrien waren im Römischen Reich zu finden: Rote, glasierte Gebrauchskeramik (Terra Sigillata) war im gesamten Römischen Reich verbreitet. Die typischen roten Dachziegel sind ebenfalls bereits in großen Mengen hergestellt worden. Bodenziegel kamen auch im unteren Mittelstand zur Anwendung. Die römischen Fußbodenheizungen basierten auf keramischen und somit hitzebestĂ€ndigen Werkstoffen. Die rote Farbe entstand durch die kontrollierte BelĂŒftung des Brennofens. Schwarze Keramik wurde unter Luftabschluss gebrannt und war relativ teuer, da es sehr aufwendig war, den Brennofen abzudichten.

Keramikfliesen als Wandbelag wurden im Altertum in Ägypten, Mesopotamien und Persien angewendet und spĂ€ter von der islamisch-arabischen Architektur ĂŒbernommen. Mit den Mauren kamen farbig glasierte Mosaikfliesen nach Spanien und Portugal, wo sie als Azulejos bezeichnet werden.

FĂŒr das Jahr 1000 sind die ersten nichtrömischen keramischen BodenbelĂ€ge in Deutschland nachgewiesen. Die Handelswege der NiederlĂ€nder, Spanier und Italiener verbreiteten die Keramiken in ganz Europa. Allerdings war die Herstellung sehr aufwendig und teuer, da das technische Wissen der Römer zur industriellen Herstellung verloren gegangen war.

In West- und Mitteleuropa wurden Fliesen im Mittelalter vor allem als Fußbodenbelag und zur Kaminumrandung genutzt. Diese Tonplatten, auch Tonkacheln genannt,cite-ref-7[7] trugen hĂ€ufig Reliefverzierungen oder es wurde andersfarbiger Ton eingelegt, so dass ein zweifarbiges Muster entstand.

FĂŒr das 15. und 16. Jahrhundert finden vor allem Fayencefliesen aus Italien, Spanien und Frankreich ErwĂ€hnung. Von dort gelangten die Fayencen nach Antwerpen, das sich zwischen 1520 und 1570 zu einem Zentrum der Fliesenherstellung entwickelte. Nach dem Frieden von Antwerpen 1609 begann in den Niederlanden die Fliesenherstellung. Obwohl die Produkte meist Delfter Fliesen genannt werden, verlor Delft als Fliesenproduzent ab 1650 an Bedeutung und wurde von Fabriken in Rotterdam, Utrecht, Haarlem und Makkum abgelöst. Die blau-weißen hollĂ€ndischen Fliesentableaus und Einzelfliesen erlangten eine solche Bedeutung, dass sie sogar wieder nach Portugal exportiert wurden oder dort die Herstellung von „Azulejos in der hollĂ€ndischen Mode“ anregten. Auch Norddeutschland und DĂ€nemark importierten Delfter Fliesen, mit denen hĂ€ufig ganze Stuben (Pesel) ausgeschmĂŒckt wurden. Entsprechend weit reichte das Bildprogramm von Bibelfliesen bis hin zu Seefahrt und Jagd.

Mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert stieg die Verbreitung der keramischen BodenbelĂ€ge stark an. Anfangs noch als Zubrot der Ziegeleien hergestellt, entstand eine eigenstĂ€ndige Industrie. Seit dem spĂ€ten 20. Jahrhundert werden Fliesen fast ausschließlich in hochautomatisierten Fabriken hergestellt. Es gibt aber immer noch kleine handwerkliche Betriebe, die individuelle Keramiken in kleinsten Serien produzieren.

Architektonische und Àsthetische Perspektive

Architekturgeschichte der Keramikfliese

Architekten setzen Keramikfliesen aus praktischen ebenso wie aus gestalterischen und Ă€sthetischen GrĂŒnden sowohl im Innen- als auch im Außenbereich ein.

Die Designer der 1904 eröffneten U-Bahn in New York City, die Architekten George C. Heins und Christopher Grant la Farge, haben charakteristische rechteckige weiße Fliesen mit leicht abgerundeten Kanten und glĂ€nzender OberflĂ€che ĂŒberall an den WĂ€nden der Stationen und der Verbindungskorridore verwendet, um dort trotz der unterirdischen Lage eine Anmutung von Helligkeit, von Eleganz und von Sauberkeit zu erzeugen. Das Design der „Subway Tiles“ wurde in den USA stilbildend und ist, etwa in KĂŒchen, bis heute populĂ€r.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]cite-ref-10[10]

Ein etwas jĂŒngeres Beispiel ist das Dach des von JĂžrn Utzon designten Sydney Opera House, das mit ĂŒber einer Million unterschiedlich geformter glasierter Keramikfliesen aus schwedischer Produktion gedeckt ist.cite-ref-11[11]

Ästhetik

Das Erscheinungsbild eines Fliesenwerks hĂ€ngt – außer vom Design der Fliesen selbst – unter anderem von der Fugenbreite, der Farbe des Fugenmörtels und vom Verlegemuster ab.cite-ref-12[12]cite-ref-13[13]cite-ref-14[14] FĂŒr die Geometrie, die den konventionell gebrĂ€uchlichen und den grundlegend möglichen Verlegemustern zugrunde liegt, siehe Parkettierung. Ein und dasselbe Verlegemuster kann ganz unterschiedlich aussehen, je nachdem ob eine einzige Fliesenfarbe verwendet wird oder ob mehrere Farben kombiniert werden.cite-ref-15[15] Nicht alle theoretisch möglichen Muster werden in Fliesenwerken tatsĂ€chlich auch verwendet; vielmehr gelten einige als ansprechend, wĂ€hrend andere aus Ă€sthetischen GrĂŒnden gemieden werden. Auch eignet sich rein visuell nicht jedes Verlegemuster fĂŒr jede Fliese. Ein weiterer Faktor, von dem das Erscheinungsbild eines Fliesenwerks abhĂ€ngt, ist der Kontext; so können beispielsweise innerhalb eines Raums fĂŒr Fußboden und WĂ€nde unterschiedliche Fliesen verwendet werden, die visuell aber aufeinander verweisen, etwa durch ĂŒbereinstimmende Farben (der Fliesen selbst und/oder des Fugenmörtels), Formen oder Verlegemuster.cite-ref-16[16]

Produkte, Verlegemuster und die Entscheidung, auf welchen FlĂ€chen Fliesen verwendet werden, sind Trends und Moden unterworfen.cite-ref-18[18] Im Trend liegen derzeit (2022) unter anderem Fliesen, die das Aussehen von Materialien wie Holz, Stein oder verwittertem Beton imitieren.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] Ein wichtiges Forum fĂŒr die Branche, auf der solche Trends gesetzt werden, ist The International Surface Event, eine Fachmesse, die alljĂ€hrlich in den USA veranstaltet wird.cite-ref-22[22]

Herstellung

Rohstoffaufbereitung

Seit den AnfĂ€ngen der Keramikherstellung haben sich die verwendeten Rohstoffe nur wenig geĂ€ndert. Hauptinhaltsstoff ist Ton. Je nach Anforderungen werden Gemische aus verschiedenen Tongruben verwendet und Zuschlagstoffe wie Quarzsand, Kaolin, Feldspat, Kalzit, Dolomite, Flussspat oder Schamotte beigemischt. Die Rohmasse darf sich bis zur Formgebung nicht entmischen und das Schrumpfverhalten beim Brand darf nicht zur Rissbildung oder zum Verzug der Platten fĂŒhren. Entscheidend ist dabei nicht nur die KorngrĂ¶ĂŸe, sondern auch die Kornform. Je runder die Körner, desto geringer die Schwindung, aber auch die Festigkeit des Endprodukts.

Formgebung

In der Regel werden nur noch Cotto-Platten und Fliesen von Hand geformt, die historischen Vorbildern nachgebildet sind. Ansonsten werden das Strangpressverfahren und die Pulverpressung (auch Trockenpressung genannt) angewendet. Beim Strangpressen wird die plastische Keramikmasse durch Extrusion zu einem endlosen Band geformt und anschließend in FliesengrĂ¶ĂŸe zerteilt. Im Trockenpressverfahren wird speziell aufbereitetes Keramikpulver mit hohem Druck in Formen gepresst und danach gebrannt. Hourdis- und Spaltplatten erhalten wie Hochlochziegel durch das Formwerkzeug beim Pressen durchgĂ€ngige innere HohlrĂ€ume.

Die RĂŒckseite der Fliesen wird geriffelt bzw. strukturiert, um einen besseren Verbund mit dem Fliesenmörtel zu erreichen. Beim Strangpressen können verfahrensbedingt nur LĂ€ngsrillen ausgebildet werden, die auch schwalbenschwanzförmig vertieft sein können.

Ein relativ neues Verfahren ist die Verwendung von Rollenpressen bei großformatigen Feinsteinzeugtafeln, die in Wandhöhe gefertigt werden können. Die keramische Grundmasse wird dabei zwischen zwei Walzen geformt. AufwĂ€ndige Muster und auffallende Reliefs werden mittels Inkjetverfahren auf die Fliese ĂŒbertragen.

Farben

Die Farbe von unglasierten Keramikfliesen entsteht meist durch fĂ€rbende Oxide. Diese Oxide sind entweder natĂŒrliche Bestandteile der Rohstoffe (beispielsweise Eisenoxid, Mangandioxid, Titandioxid) oder sie werden dem Scherben gezielt zugemischt.

Bei glasierter Keramik wird die OberflĂ€che durch eine auf den Scherben aufgetragene Glasur gefĂ€rbt. Beim Monoporosa-Verfahren wird die Glasur vor dem Brand aufgetragen. Beim Biporosa-Verfahren wird der Scherben erst gebrannt, abgekĂŒhlt und mit dem Glasurrohstoff nochmals gebrannt.

Fliesen im mittleren Preissegment erhalten ihre Maserung mittels Rorocolor-Druckverfahren. Hierbei durchlĂ€uft die Fliese eine Rolle, die das Muster ĂŒbertrĂ€gt.

Keramikarten fĂŒr Wand und Boden

| Produkt | Produktnorm | Anwendungsbereiche |
|---|---|---|
| Steingut- Fliesen | EN 14411 Gruppe BIII | Wandbekleidungen im Wohnungs- und Nichtwohnungsbau |
| Steinzeug- Fliesen | EN 14411 Gruppe Blb; BIIa; BIIb | Wandbekleidungen innen im Wohnungs- und Nicht- wohnungsbau BodenbelĂ€ge nach erforder- licher Verschleißklasse (Innen- und AußenbelĂ€ge) BehĂ€lterbau (Trinkwasser- behĂ€lter, SchwimmbĂ€der) |
| Fein- steinzeug | EN 14411 Gruppe BIa | Vorzugsweise (Wand- und) BodenbelÀge im Wohnungs- und Nichtwohnungsbau |

Steingut

Steingut (DIN EN 14411, Gruppe BIII, Anhang K) ist Keramik, deren „Scherben“ nach dem Brand bei 950–1150 °C eine Wasseraufnahme von mehr als 10 Prozent aufweist. Vorteil ist die gute Bearbeitbarkeit sowie DekorierungsfĂ€higkeit. Aufgrund der hohen PorositĂ€t ist Steingut nicht frostfest und bleibt auf Anwendungen in Innenbereichen beschrĂ€nkt. Hierbei ist die Hauptanwendung die Verwendung als glasierte Wandfliese. Bei der Herstellung von Steingut werden zwei Verfahren unterschieden: Bei dem Einbrandverfahren (Monoporosa) wird auf die Fliese direkt nach der Formgebung flĂŒssige Glasur aufgetragen. Anschließend wird die Fliese mit einem gewĂŒnschten Muster bedruckt; beim Zweibrandverfahren (Biporosa) wird zuerst der Scherben gebrannt. Danach wird die Fliese glasiert und bedruckt und anschließend nochmals gebrannt.

Steinzeug

Steinzeug ist definiert als eine Keramik mit einer Wasseraufnahme von unter 3 Prozent. Aufgrund der geringen PorositĂ€t ist das Material frostbestĂ€ndig. GegenĂŒber dem poröseren Steingut hat Steinzeug eine höhere Dichte und bessere mechanische Festigkeiten. Fast alle Fliesen fĂŒr stark beanspruchte Anwendungsbereiche, zum Beispiel in Industrie, Gewerbe oder fĂŒr öffentliche Bereiche, sind aus unglasiertem Steinzeug. Die Rutschhemmung wird durch die OberflĂ€chenstruktur eingestellt. Steinzeugfliesen mit Glasuren sind die klassische Bodenkeramik. Die technischen Eigenschaften der Glasur bestimmen die Abriebfestigkeit und die Rutschhemmung.

Im Gegensatz zum Steingut wird der Scherben bei 1150–1300 °C gebrannt. Durch Zugabe von Flussspat und anderen Flussmitteln kann die PorositĂ€t verringert werden.

Feinsteinzeug

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Hauptartikel

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Feinsteinzeug

Feinsteinzeug (FSZ) zeichnet sich durch eine sehr geringe Wasseraufnahme von weniger als 0,5 % aus. Es stellt damit eine Weiterentwicklung der Steinzeugfliesen dar, deren Wasseraufnahme unter 3 % liegt. Die Herstellung von Feinsteinzeug erfolgt durch trockene Verpressung von fein aufbereiteten keramischen Rohstoffen mit grĂ¶ĂŸeren Anteilen an Quarz, Feldspaten und anderen Flussmitteln unter hohem Druck. Danach wird der Scherben in einem Rollenofen bei hohen Temperaturen (1200–1300 °C) gebrannt.

Wegen der hohen Bruchfestigkeit und der guten Verschleißeigenschaften wird FSZ bevorzugt in öffentlichen und stark beanspruchten Bereichen eingesetzt. Durch entsprechende OberflĂ€chenstrukturen kann die Rutschsicherheit von R 9 – R13, V4, eingestellt werden.

ZunÀchst wurden unglasierte Fliesen hergestellt, die eine hochdichte versinterte Brennhaut aufweisen, die annÀhernd so resistent gegen die Bildung von Flecken ist, wie glasierte OberflÀchen.

Diese Brennhaut und auch speziell glasierte OberflĂ€chen können durch feine Diamantpolierscheiben zur sogenannten „gelĂ€ppten“ OberflĂ€che veredelt werden. Ist diese OberflĂ€che strukturiert bzw. reliefartig gestaltet, dann erscheint der höher ragende Bereich eher glĂ€nzend, der tiefer liegende Bereich eher matt.

Poliertes FSZ hat keine geschlossene OberflÀche. Die PorenrÀume des Scherbens werden beim Polieren durch die Entfernung der sogenannten Brennhaut geöffnet, wodurch bestimmte Verunreinigungen, die nach der Verlegung auftreten, schwieriger zu entfernen sind. Je nach Herstellungsverfahren unterscheidet sich die PorositÀt sehr stark.

Durch das Aufbringen von farbigen Keramikpulvern oder löslichen Salzen kann die OberflĂ€che von unglasiertem FSZ beeinflusst werden. Allerdings sind die Möglichkeiten aufgrund des durchscheinenden Scherbens eingeschrĂ€nkt. In zunehmendem Maße wird glasiertes und bedrucktes FSZ mit einer großen Vielfalt an Dekoren hergestellt. Beispielsweise können Steine, Hölzer, Stoffe, Kork, Leder etc. imitiert werden.

Glasuren auf Steinzeug und Feinsteinzeug erreichen meist nicht die Abriebfestigkeit des TrÀgermaterials.

Terrakotta

Basismaterial fĂŒr diese Fliesenart, umgangssprachlich auch Cotto genannt, ist ein Kalkmergel, der auch als toskanischer Schieferton bezeichnet wird und Verunreinigungen aus QuarzkrĂŒmeln enthĂ€lt. Das im Tagebau gewonnene Material wird mit Wasser vermengt, geknetet, durch eine Zerkleinerungsanlage („Wolf“) gedreht und strang- oder trockengepresst, oder in Holzformen gedrĂŒckt und an der Luft getrocknet. Traditionell wurden auch Reliefs oder Muster in die feuchte Masse gedrĂŒckt. Teilweise wird die OberflĂ€chenstruktur nach dem Trocknungsprozess durch die Bearbeitung mit StahlbĂŒrsten angepasst. Der Brand erfolgt ĂŒber 36–48 Stunden bei einer Temperatur von 950 bis 1050 °C. Dabei entsteht aus dem blau-grauen Ton durch Oxidation der typisch rötlich gefĂ€rbte Cotto. Terrakotta-Produkte werden mit grĂ¶ĂŸerer MaterialstĂ€rke als moderne Keramikprodukte gefertigt, da das grobe und kalkhaltige Rohmaterial oft keine große Festigkeit aufweist.

Klinker und Spaltklinker

Zu den grobkeramischen Produkten gehören die klassischen Klinker. Bestehend aus Schamotte, FeldspĂ€ten und weiß- oder rotbrennenden Tonen (d. h., die Farbe entsteht erst durch den Brand), werden sie wie Cotto als Teig angerĂŒhrt und im Strangpressverfahren geformt. Wenn bei der Trocknung eine Restfeuchte von circa drei Prozent erreicht worden ist, wird der Hartziegel glasiert oder unglasiert bei 1200 °C gebrannt. Um Verformungen beim Brand durch unterschiedlich strukturierte Ober- und Unterseiten zu minimieren, werden solche Platten oft als Spaltklinker in doppelter Ausfertigung (RĂŒcken an RĂŒcken, mit Stegen verbunden) geformt, gemeinsam gebrannt und erst nach Fertigstellung getrennt bzw. gespalten.

Hohe KantenschĂ€rfe und BestĂ€ndigkeit gegen Wasser und Frost sind die Voraussetzungen, dass Klinker ein idealer Boden- und Wandbelag fĂŒr Innen- und Außenbereiche sind, auch als Verblendung, die vor ein Mauerwerk mit einem Klinkermörtel aufgeklebt wird. Die volkstĂŒmliche Bezeichnung als „Klinkerwand“ fĂŒr jede vorgemauerte Wandschale ist unrichtig. HierfĂŒr werden weichere Steine oder hĂ€rter gebrannte Lochmauersteine verwendet, jedoch nur selten und nicht fachgerecht Vollklinkersteine, da solche WĂ€nde wegen mangelnder Mörtel-Verbundhaftung leicht Risse bekommen.

Vollklinker kommen ĂŒberwiegend als Gehwegbelag zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um unglasierte Klinkersteine. Diese sind trittsicher, wasserabweisend, frostfest und langlebig. Auch verĂ€ndern sie im Gebrauch ihre Farbe nur wenig und verschmutzen kaum, sie bekommen lediglich eine Patina.

Kriterien fĂŒr die Gebrauchseigenschaften

Fliesen werden im Wesentlichen nach ihrer WasseraufnahmefĂ€higkeit, ihrer FrostbestĂ€ndigkeit, ihren rutschhemmenden Eigenschaften und der BestĂ€ndigkeit ihrer OberflĂ€che gegenĂŒber Abrieb klassifiziert. FĂŒr das Maß der Einfachheit der Reinigung ist auch die Rauigkeit der OberflĂ€che zu berĂŒcksichtigen (je weniger Struktur vorhanden ist, umso weniger Schmutz kann sich in den Vertiefungen festsetzen).

Keramikfliesen werden in zwei QualitĂ€ten eingeteilt: erste und zweite Wahl. Dabei werden sowohl optische wie auch qualitative Anforderungen an Glasur, OberflĂ€che, Maßhaltigkeit und Wasseraufnahme gestellt. Fliesen mit groben Fehlern werden oftmals auch als dritte Wahl angeboten oder gelangen in den Ausschuss.

Wasseraufnahmevermögen

| Gruppe | Massen-% Wasseraufnahmevermögen |
|---|---|
| Ia | höchstens 0,5 % |
| Ib | höchstens 3 % |
| IIa | 3 % bis 6 % |
| IIb | 6 % bis 10 % |
| III | mehr als 10 % |

Die EuropĂ€ische Norm DIN EN 14411 unterteilt keramische Fliesen und Platten nach ihrem Wasseraufnahmevermögen in fĂŒnf Gruppen. Die PrĂŒfung erfolgt nach DIN EN ISO 10545.

FrostbestĂ€ndig und somit fĂŒr den Außenbereich geeignet sind nur Fliesen und Platten der Gruppen Ia und Ib. Dies gilt auch Fliesen auf ĂŒberdachten FlĂ€chen wie Balkonen, da diese nach Durchfeuchtung ebenfalls vom Frost geschĂ€digt werden können. Da gewöhnlicher Fugenmörtel wasserdurchlĂ€ssig ist, muss auch bei Verklebung und Unterkonstruktion auf frostbestĂ€ndige Materialien und richtige Verarbeitung geachtet werden.

Aufgrund des dichten Scherbens sind Feinsteinzeugfliesen generell frostbestÀndig.

Abriebfestigkeit

Die AbriebbestĂ€ndigkeit der Glasur von Steinzeugfliesen (WiderstandsfĂ€higkeit gegen OberflĂ€chenverschleiß) wird durch ein genormtes PrĂŒfverfahren mit einer PrĂŒfmaschine mit rotierenden StahlbĂŒrsten des amerikanischen Porzellan- und Emaille-Instituts (PEI) oder durch Sandstrahlen geprĂŒft und nach DIN EN ISO 10545-7 in die Klassen 0 bis 5 eingeteilt (siehe Tabelle).

Abrieb (OberflĂ€chenverschleiß) tritt bei BodenbelĂ€gen infolge schleifender, reibender Beanspruchung auf und kann bei glasierten Fliesen durch GlanzverĂ€nderung der OberflĂ€che sichtbar werden. Glasierte Steinzeugfliesen werden hinsichtlich ihrer BestĂ€ndigkeit gegen Abrieb in Gruppen unterteilt und können damit Anwendungsbereichen zugeordnet werden. Die AbriebbestĂ€ndigkeit (Verschleißgruppe) ist die durch Schleif- und SandstrahlprĂŒfung ermittelte WiderstandsfĂ€higkeit glasierter Fliesen und Platten. Sie wird vom Hersteller angegeben.

| Abrieb- klasse | PrĂŒf-Umdrehungen | Anwendungsbereiche [ 23 ] |
|---|---|---|
| 1 | 150 | fĂŒr Wandmaterial sowie barfuß oder mit Hausschuhen begangene FlĂ€chen |
| 2 | 600 | fĂŒr leichte Beanspruchung in wenig genutzten RĂ€umen in privaten Haushalten |
| 3 | 750 / 1500 | fĂŒr mittlere und kratzende Beanspruchung mit normalem Schuhwerk; etwa in privaten Dielen, Fluren und auf Balkonen, sowie in Hotelzimmern und -bĂ€dern |
| 4 | 2100 / 6000 / 12000 | fĂŒr hohe Beanspruchung durch hĂ€ufige Begehung mit normalem Schuhwerk in öffentlichen Eingangsbereichen, Terrassen, KĂŒchen, sowie in Wirtschafts- und VerkaufsrĂ€umen, KrankenhĂ€usern, BĂŒrogebĂ€uden, Hotels und Schulen |
| 5 | >12000 | Anwendungsbereiche mit sehr starkem Publikumsverkehr, wie Verkehrsanlagen, Gastronomie, Verkaufs-, Versammlungs- und SportstÀtten, sowie bei Beanspruchung durch Befahren wie in Garagen |

Unter Zugabe von Wasser und definierten Schleifmitteln wird ein kĂŒnstlicher Abrieb ermittelt. Als Ergebnis erhĂ€lt man einen Wert, der angibt, bei welcher Anzahl der Umdrehungen sich eine sichtbare VerĂ€nderung ergibt. Diese Werte werden dann fĂŒr eine Klassifizierung benutzt.

Bei unglasierten keramischen Fliesen und Platten wird der Tiefenverschleiß nach DIN EN ISO 10545-6 ermittelt. Mit Schmelzkorund und einer speziellen Schleifscheibe wird der „anfallende Abrieb“ gemessen. Je geringer der Wert, desto verschleißresistenter ist die Keramik.

Rutschsicherheit

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Hauptartikel

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Rutschsicherheit

| Gruppe | Haftreibwert | Neigungswinkel |
|---|---|---|
| R9 | Minimum | von 6 bis 10° |
| R10 | erhöht | von 10 bis 19° |
| R11 | erhöht2 | von 19 bis 27° |
| R12 | groß | von 27 bis 35° |
| R13 | sehr groß | ĂŒber 35° |

| Gruppe | Mindestvolumen (cmÂł/dmÂČ) |
|---|---|
| V4 | 4 |
| V6 | 6 |
| V8 | 8 |
| V10 | 10 |

Durch die PrĂŒfung der Rutschsicherheit nach der DIN 51130 erfolgt die Einstufung in R-Werte. Je höher die hinter dem „R“ stehende Zahl, desto rutschhemmender und schlechter reinigungsfĂ€hig ist der Belag. Wie aus der Tabelle zu ersehen ist, gibt es die Bewertungsgruppen von R9 bis R13. Die BGR 181 der Berufsgenossenschaften findet jedoch keine Anwendung auf Fußböden in ArbeitsrĂ€umen, Arbeitsbereichen und betrieblichen Verkehrswegen, bei denen keine gleitfördernden Mittel zu erwarten sind. Regenschirme transportieren Wasser, also sollte immer auf die BGR 181 RĂŒcksicht genommen werden. Bei Abweichung von der BGR 181 sollten die Berufsgenossenschaft und die Gewerbeaufsicht zum jeweiligen Bauobjekt grundsĂ€tzlich befragt werden, da es vorkommen kann, dass beide Institutionen unterschiedliche Meinungen haben können. In Bereichen, wo fettige, pastöse oder faserig-zĂ€he Stoffe auf den Boden gelangen, mĂŒssen Fliesen eventuell auch noch einen „VerdrĂ€ngungsraum“ aufweisen. Dieser VerdrĂ€ngungsraum ist der zur Gehebene hin offene Hohlraum unterhalb der Gehebene und wird nach vier V-Klassen bewertet. Der V-Wert gibt an, wie viel cmÂł FlĂŒssigkeit der Boden auf einem dmÂČ mindestens aufnehmen kann.

Eine Besonderheit bilden Keramiken fĂŒr nassbelastete Barfußbereiche. Diese OberflĂ€chen werden nach DIN 51097 geprĂŒft und in die Bewertungsgruppen nach GUV 26.17 A, B und C eingeteilt.

FĂŒr den privaten Bereich gibt es keine Vorgaben. Dort sind polierte oder glattglasierte Keramiken anwendbar. Ein privates Schwimmbad oder Sauna sollte aber nach den Regeln der GUV 26.17 Rutschsicherheit fĂŒr nassbelastete Barfußbereiche ausgefĂŒhrt werden.

Werden BodenbelĂ€ge mit geringerer Mindestrutschhemmung geplant oder eingebaut (nach BGR 181/GUV 26.17), drohen im UnglĂŒcksfall Schadenersatz- oder RegressansprĂŒche.

BruchstÀrke und Biegefestigkeit

Hierbei wird nach statischer und dynamischer Belastung unterschieden und entsprechend ihrer Bruchkraft in Belastungsgruppen I bis V unterteilt (DIN EN 1991-1-1+C1). Die BruchstÀrke (S) und Biegefestigkeit (R) ergibt sich aus DIN EN 14411.cite-ref-24[24]

SÀurebestÀndigkeit

Die SĂ€urebestĂ€ndigkeit (chemische BestĂ€ndigkeit) wird nach DIN EN ISO 10545-13 bestimmt. Dabei wird zwischen schwacher und hoher Konzentration unterschieden. In beiden Konzentrationen wird die BestĂ€ndigkeit gegen SalzsĂ€urelösung (3 % und 18 %) und Kaliumhydroxidlösung (30 g/l und 100 g/l) getestet. Zudem kommen innerhalb der schwachen Konzentration ZitronensĂ€urelösung 100 g/l und in der hohen Konzentration fĂŒnfprozentige MilchsĂ€urelösung zum Einsatz.cite-ref-0-25-0[25]

Fleckempfindlichkeit

Fleckempfindlichkeit wird nach der DIN EN ISO 10545-14 klassifiziert und in fĂŒnf Klassen eingeteilt. Getestet wird dabei in den Gruppen: Spurenbildende Fleckenbildner, Fleckenbildner chemisch, Filmbildende Fleckenbildner, Reinigungsmittel und Lösungsmittel.cite-ref-0-25-1[25]

Ökologische Aspekte

Keramikfliesen enthalten durch den Brand keine raumluftbelastenden, ausgasenden Stoffe. Bei Verlegung mit einem Kalk- oder Zementmörtel wird die Raumluft nicht mehr belastet, wenn das Anmachwasser verdunstet ist.

Feinsteinzeug sowie glasiertes Steinzeug und Steingut haben eine sehr dichte OberflÀche. Schimmelpilze finden im Allgemeinen nur in den Fugen ein geeignetes Substrat.

Bei einer Verlegung mit Reaktionsharzen, die sĂ€urebestĂ€ndig sind, besteht neben einer AusdĂŒnstungsgefahr auch ein höheres Risiko der mikrobiologischen Besiedlung gegenĂŒber alkalischen Klebe- und Fugenmörteln.

Die Strahlenbelastung hĂ€ngt von den verwendeten Ausgangsstoffen ab. Eine GefĂ€hrdung ging frĂŒher hauptsĂ€chlich von Natriumdiuranat- (Uranglas) und Kobaltglasuren aus. (Siehe Radonbelastung.)

Formate

Bis in die 1970er Jahre dominierte bei den Wandfliesen in Mitteleuropa das Format 15 × 15 cm. Seitdem wird eine große Zahl neuer Formate angeboten mit der Tendenz zu immer grĂ¶ĂŸeren, inzwischen bis raumhohen Fliesen.

Die gĂ€ngigsten Formate lagen 2008 zwischen 25 × 33 und 30 × 90 cm bei Wandfliesen aus Steingut sowie 30 × 30 und 45 × 90 cm bei Bodenfliesen aus (Fein-)Steinzeug. Im neuen Jahrtausend galten 30 × 60 (Feinsteinzeug und Steingut) und 60 × 60 cm (Feinsteinzeug) als Standardformate und waren dementsprechend preiswert.

2020 werden Formate um 60 × 120 cm und 90 × 90 cm im mittleren Preissegment angeboten und erreichen zweistellige Marktanteile, wĂ€hrend XXL-Formate von 240 × 100 bis 320 × 160 cm, oft nur 3–7 mm stark, noch im gehobenen Segment zu finden sind und zunehmend fĂŒr fugenarme Duschbereiche sowie OberflĂ€chen von Fliesentischen und KĂŒchenarbeitsplatten verwendet werden. Aufgrund des komplexeren Herstellungsverfahrens und Investitionen in neue Fertigungsanlagen sind grĂ¶ĂŸere Formate in der Regel teurer als die jeweils verbreitetsten oder bereits auslaufenden Formate.

Auch Mosaikfliesen in Formaten von 1 × 1 cm bis 10 × 10 cm werden vermehrt verwendet.

Überdies existieren FormstĂŒcke fĂŒr Sockelausbildungen, BordĂŒren, Treppenstufen, Ecken sowie spezielle Schienen zum Anschluss an andere BodenbelĂ€ge.

Maßangaben

Zu unterscheiden ist zwischen dem Nennmaß, dem Werkmaß, dem Koordinierungsmaß, dem Modularen Maß und dem Istmaß.

Das Nennmaß (z. B. 15 × 15 cm) beschreibt die nominelle FliesengrĂ¶ĂŸe in cm, unter der die Fliesen gehandelt werden. Das Istmaß beschreibt die tatsĂ€chlich vorhandenen Abmessungen, die innerhalb des Toleranzbereichs von Fliese zu Fliese abweichen können.

Das Werkmaß „W“ ist das vom Hersteller vorgesehene Fertigungsmaß und addiert sich mit der Fuge zum Koordinierungsmaß „C“ (in mm). Zum Beispiel hat eine Fliese mit dem Werkmaß 247 × 197 × 5 mm ein Koordinierungsmaß von 250 × 200 mm und eine vorgesehene Fugenbreite von 3 mm. Das Nennmaß ist 25 × 20 cm.

Das Modulare Maß basiert auf einem Raster von M = 100 mm und gleicht dem Koordinierungsmaß. Das heißt, es beinhaltet die Vorgabe fĂŒr die FugenstĂ€rke in Verbindung mit dem Werkmaß.

Kalibrierung und Rektifizierung

Bedingt durch den Brennvorgang weisen traditionell gefertigte Fliesen leicht abgerundete Kanten und gewisse Maßabweichungen auf und sind zur Verlegung mit Fugenbreiten von rund 5 mm (bzw. im Bereich von 3 bis 8 mm) vorgesehen.

Um schmalere Fugenbreiten zu erreichen, ohne dass Maßabweichungen optisch auffallen, werden Fliesen im Werk vorsortiert (nach „Kaliber“). Sortierte Fliesen haben in der Regel Maßabweichungen von weniger als ± 0,7 mm und werden auf der Verpackung mit der Angabe „kalibriert“ bzw. „cal.“ sowie dem genauen Maß oder einer Kennziffer gekennzeichnet. Bei Verlegung mit geringer Fugenbreite sollten Fliesen mit gleicher Kennziffer verwendet werden.cite-ref-26[26]

Feinsteinzeugplatten werden auch „rektifiziert“ angeboten. Rektifizierte Fliesen wurden nach dem Brand auf Maß geschnitten, so dass sie scharfe und exakt rechtwinklige Kanten aufweisen. Durch genau definierten Außenmaße lĂ€sst sich die Fugenbreite auf 1,5 bis 2 mm verringern. Die scharfgeschnittenen Kanten sind optisch sowie beim Begehen von FußbodenflĂ€chen allerdings deutlich wahrnehmbar, wenn Höhendifferenzen zwischen den Platten vorliegen. Bei der Verlegung ist daher eine besondere Sorgfalt erforderlich.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28]

Einbau

Keramische Platten wurden traditionell im Dickbettverfahren verlegt, das sowohl den Ausgleich von Bodenunebenheiten, wie auch die Verlegung im GefĂ€lle erlaubt. Nachteilig ist, dass beim Auftragen des Mörtels und beim Einklopfen der Fliesen jeweils das Nivellement kontrolliert werden muss, um eine ebene OberflĂ€che ohne Versatz (Überzahn) zu erreichen.

Beim Mittelbett- und DĂŒnnbettverfahren wird zunĂ€chst eine ebene OberflĂ€che hergestellt, die gegebenenfalls bereits das gewĂŒnschte GefĂ€lle aufweist. Anschließend wird der Mörtel mit dem Zahnspachtel in definierter StĂ€rke aufgebracht, was eine gleichmĂ€ĂŸig ebene Verlegung vereinfacht.

Große, höher belastete FlĂ€chen im Gewerbe- und Industriebau werden heute ĂŒberwiegend als RĂŒttelboden eingebaut. Ein sehr steifer Mörtel, der hĂ€ufig mit Mineralfasern bewehrt ist, wird in einer StĂ€rke von mindestens 45 mm gleichmĂ€ĂŸig eben aufgetragen und kann teilweise die ausgleichende und lastverteilende Funktion eines Estrich ĂŒbernehmen. Die Bodenplatten werden anschließend mit einer zusĂ€tzlichen zementhaltigen Kontaktschicht oder ZementschlĂ€mme auf das Mörtelbett verlegt und eingerĂŒttelt.

Die Fugenbreite ist in Deutschland heute normiert. Laut DIN EN 18157 AusfĂŒhrung keramischer Bekleidungen im DĂŒnnbettverfahren sollen Fliesen mit einer KantenlĂ€nge von bis zu 60 cm eine Fugenbreite von mindestens 3 mm, grĂ¶ĂŸere Fliesen mit einer Fugenbreite von mindestens 5 mm verlegt werden. Zwar werden schmalere Fugen meist als attraktiver empfunden, doch muss bei der Wahl der Fugenbreite berĂŒcksichtigt werden, dass Fliesen sich, was vom Fugenmörtel aufgefangen wird, bei WĂ€rme etwas ausdehnen.cite-ref-31[31]

OberflÀchen und Reinigung von Keramikfliesen

Schmutzanhaftung und Reinigungsaufwand sind in erster Linie abhĂ€ngig von der OberflĂ€chenrauheit. WĂ€hrend Wandfliesen und viele Bodenfliesen eine pflegeleichte, glatte OberflĂ€che aufweisen, wird in gewerblichen KĂŒchen und SchwimmbĂ€dern ein rutschsicherer Belag gefordert, die durch eine Strukturierung und Erhöhung der Rauheit der FliesenoberflĂ€che erreichbar ist.

ImprÀgnierung

ImprÀgniermittel wie Silane reduzieren die Fleckempfindlichkeit von offenporigen OberflÀchen. In kapillar saugfÀhiger Keramik wie Terrakotta oder Steingut können zudem farbverÀndernde Substanzen einziehen.

Bei glasierter Keramik, unpoliertem Feinsteinzeug sowie bei unglasierten, aber vom Hersteller oberflĂ€chenvergĂŒteten BelĂ€gen („keramische Versiegelung“) kann eine ImprĂ€gnierung nicht in die OberflĂ€che einziehen und wĂŒrde auf der OberflĂ€che einen unerwĂŒnschten Belag hinterlassen. Auch bei offenporigen Werkstoffen können nicht von der OberflĂ€che aufgenommene Reste der ImprĂ€gniermittel zur Anhaftung von Verunreinigungen fĂŒhren, speziell von in Gummi enthaltenem Ruß.

Beim Polieren von Feinsteinzeug wird die gesinterte OberflÀche abgetragen, so dass die feinen PorenrÀume freiliegen. Obwohl Feinsteinzeug kaum kapillar saugfÀhig ist, wird von den Herstellern hÀufig eine ImprÀgnierung empfohlen, um die Reinigung zu erleichtern.

Ziegelböden aus unglasiertem Steinzeug (Terracotta) oder (Spalt-)Klinkern wurden traditionell mit Klinkeröl oder anderen porenfĂŒllenden Mitteln imprĂ€gniert, wenn es erforderlich schien, sie vor Fett-, Rotwein- und anderen Flecken zu schĂŒtzen. Manche Hersteller empfehlen, die ImprĂ€gnierung noch vor dem Verfugen vorzunehmen.

Zur Versiegelung der Fugen sind spezielle ImprÀgniermittel erhÀltlich. Empfohlen wird oft eine vorherige SÀuberung der Fugen mit einem sauren Reinigungsmittel (z. B. Anti-Kalk).cite-ref-32[32]

Werkseitige VergĂŒtungen

NachtrĂ€gliche Schutzbehandlungen durch ImprĂ€gniermittel unterscheiden sich von werkseitigen mineralischen OberflĂ€chenvergĂŒtungen, wie Glasuren oder Engoben. Diese werden im Verlauf eines zweiten Brennvorgangs auf der OberflĂ€che aufgeschmolzen bilden eine glatte, flĂŒssigkeits- und schmutzabweisende Beschichtung.

Reinigung

Insbesondere nach dem Verfugen von unglasierten Fliesen sollte die Fugenmasse grĂŒndlich abgewaschen werden, damit sich das Bindemittel nicht in der OberflĂ€che festsetzt und dort aushĂ€rtet. Falls es doch zu einer VerfĂ€rbung der OberflĂ€che kommt, kann Zementschleierentferner eingesetzt werden, um den grauen Zementbelag anzulösen und entfernen zu können. Dieser saure Spezialreiniger greift auch die Fugen an. Sie sollten daher angenĂ€sst werden, um das Eindringen des Reinigers in die Fuge zu erschweren. Nach dem Abwaschen des Reinigers kann die FlĂ€che mit einem alkalisch wirkenden (Reinigungs-)Mittel neutralisiert werden.

Fliesen mit geschlossener OberflÀche sind pflegeleicht und lassen sich mit beliebigen Haushaltsreinigern sÀubern. Zur Entfernung fettiger Verunreinigungen werden alkalische Reinigungsmittel empfohlen.

Pflegemittelhaltige Reiniger, die einen Fett-, Wachs- oder Polymerfilm hinterlassen, können das Erscheinungsbild der FliesenoberflĂ€che verĂ€ndern und sich auf Dauer zu einer unansehnlichen und schlimmstenfalls klebrigen Schicht akkumulieren. Sofern diese Mittel im professionellen Bereich eingesetzt werden, um die Eigenschaften der FliesenoberflĂ€che zu beeinflussen, werden die zurĂŒckbleibenden Schichten meist bei einer jĂ€hrlichen intensiven Grundreinigung wieder entfernt.

Bei hartnĂ€ckigen Verschmutzungen sowie rutschsicheren Fliesen mit rauer OberflĂ€chenstruktur kann es erforderlich sein, das Reinigungsmittel zunĂ€chst einwirken zu lassen und MicrofaserbezĂŒge, BĂŒrsten oder Reinigungspads einzusetzen. BĂŒrsten und Pads sollten keinen Schleifkornzusatz enthalten, der die OberflĂ€che mattieren oder abtragen wĂŒrde.cite-ref-fliesenverband-33-0[33]

Schimmelbefall kann je nach Art und Schwere mit Reinigern auf Alkohol-, Essig oder Natronbasis entfernt werden.cite-ref-34[34]

Fliesenspiegel

Ein Fliesenspiegel ist ein Wandbelag auf halber Höhe, der nicht bis auf den Boden reicht. Fliesenspiegel werden als Spritzschutz hinter SpĂŒlen, Waschbecken und anderen SanitĂ€rgegenstĂ€nden sowie als RĂŒckwĂ€nde von KĂŒchenzeilen verwendet.

Alternativen und Zubehör

Über Bade- und Duschwannen werden gelegentlich einzelne Keramikfliesen mit angeformter Seifenschale eingesetzt.

In den ĂŒblichen Formaten von Keramikfliesen werden zur ErgĂ€nzung oder als Alternative auch Glas-, Spiegel- und hinterleuchtete Lichtfliesen sowie Fliesen aus Metall angeboten. Gewöhnlicher Fliesenkleber haftet schlecht an Glas, Metall und Kunststoff, da er zur Anwendung auf saugenden OberflĂ€chen gedacht ist. Glas- und Metallfliesen werden darum in der Regel mit einem saugenden Material als Haftvermittler beschichtet.

Ähnliche Funktionen wie Keramikfliesen erfĂŒllen auch Natursteinplatten. Als Wandverkleidung werden speziell in der KĂŒche auch gehĂ€rtete Glasscheiben eingesetzt.

Wenn es nicht auf eine besonders glatte OberflÀche ankommt, kommen auch Riemchen infrage.

Siehe auch
Literatur

‱ Anne Berendsen u. a.: Fliesen – Eine Geschichte der Wand- und Bodenfliesen. Keysersche Verlagsbuchhandlung, MĂŒnchen 1964.
‱ Wilfried Hansmann, Wilhelm Joliet: Viel Tausend VergnĂŒgen mit Falken und Reihern – Die Rotterdamer Fliesen und Fliesentableaus in Schloss Falkenlust zu BrĂŒhl. Verwaltung Schloss BrĂŒhl, BrĂŒhl 2004.
‱ Zeitschrift Rationell Reinigen, Ausgabe 11/2009.
‱ Merkblatt ZDNW 1.10 (Begrifflichkeiten, Reinigung).
‱ Stephan Kroener: Von Mesopotamien bis nach Nordfriesland – Fliesen, die die Welt bedeuten. In: Magazin Monumente, 5, Oktober 2021, S. 66–73 (Online).

Weblinks

Commons

: Keramikfliesen

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Fliese

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ BGR 181: Fußböden in ArbeitsrĂ€umen und Arbeitsbereichen mit Rutschgefahr, vom Oktober 1993, aktualisierte Fassung Oktober 2003. In: bgbau-medien.de. Abgerufen am 13. November 2015.
‱ Wilhelm Joliet: Die Geschichte der Fliese
‱ Reinigungsanleitungen fĂŒr mineralische BodenbelĂ€ge (PDF-Datei; 3,7 MB)

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ vgl. im Art and Architecture Thesaurus: tiles (object genre) und Fliese in der deutschen Übersetzung; ebenso in der Gemeinsamen Normdatei: Fliese
cite-note-22. ↑ Werner Hilgers: Lateinische GefĂ€ĂŸnamen. Bezeichnungen, Funktion und Form römischer GefĂ€ĂŸe nach den antiken Schriftquellen, DĂŒsseldorf 1969, S. 124 s. v. lat. caccabus; s. a.
cite-note-33. ↑ vgl. Hans van Lemmen: Delfter Kacheln, DVA 1998.
cite-note-44. ↑ Duden: Das Herkunftswörterbuch, Duden Band 7, Bibliographisches Institut, Mannheim / Wien / ZĂŒrich 1963, ISBN 3-411-00907-1, S. 300.
cite-note-55. ↑ Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unverĂ€nderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 206.
cite-note-66. ↑ Duden: Das Herkunftswörterbuch, Duden Band 7, Bibliographisches Institut, Mannheim / Wien / ZĂŒrich 1963, ISBN 3-411-00907-1, S. 174 und 653.
cite-note-77. ↑ In der St. Nicolaikirche in GrĂŒnhain hĂ€ngt ein offiziell als Tonkachel-GemĂ€lde bezeichnetes Sonntagsfeierbild aus dem Jahr 1914 aus einer Marburger Kunsttöpferei.
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